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Sanieren oder Abreissen?
Die heutige Siedlung Stöckacker Süd bietet Mietpreise von 650 bis 800 Franken für eine Dreizimmerwohnung. Mit einem Abbruch der Siedlung würden die Mietpreise für eine vergleichbare, allerdings etwas grössere und komfortablere Wohnung beinahe verdoppelt.
Wohnungen mit günstigen Mietpreisen, für die in Bern eine besonders grosse Nachfrage besteht, würden damit verschwinden. Mit einem Neubau könnten auf der anderen Seite höhere energetische Standards realisiert werden.
Ein gewisser Konflikt zwischen sozialen und ökologischen Zielsetzungen ist damit gegeben. Allerdings werden auch innovative Konzepte entwickelt, beide Ansprüche möglichst miteinander zu vereinen. Da etwa 15‘000 Wohnungen oder fast ein Viertel aller Wohnungen in der Stadt Bern aus der Periode zwischen 1947 und 1960 stammen ist es völlig undenkbar, diese alle abzureissen. So lohnt sich der etwas grössere Aufwand, auch Alternativen zum Neuaufbau von Stöckacker Süd weiterzuverfolgen.
Der Gemeinderat wird beauftragt, dem Stadtrat als zuständigem Organ für den Bauentscheid einen Projektierungskredit zur Durchführung eines offenen Architekturwettbewerbes zur Erarbeitung von Projektvarianten (Sanierung der Siedlung Stöckacker-Süd, Neuaufbau oder Kombination dieser Varianten) zu unterbreiten.
Stadtrat heisst Abriss gut
Der geplante Abriss der 1947 bis 1960 errichteten Siedlung Stöckacker Süd zugunsten einer neuen Überbauung mit Wohnungen für den Mittelstand stösst kaum auf Widerstand. Mit grosser Mehrheit lehnte der Stadtrat eine Motion von Luzius Theiler (gpb) ab, die eine Sanierung der Wohnbauten ermöglichen wollte. Theiler führte unter anderem die mit dem Umbau verknüpfte Verdoppelung der Mietzinse ins Feld, die für viele der bisherigen Bewohner kaum bezahlbar sei. Zudem habe ein Gutachten die «grosse sozialgeschichtliche Bedeutung» der Siedlung hervorgehoben.
Damit fand Theiler auch bei der Ratslinken keine Unterstützung. Natalie Imboden (gb) sprach von einer «einmaligen Chance für die Stadt», innerhalb des Siedlungsgebietes verdichtet bauen zu können. Auch die vorgesehenen Mieten in der Höhe von 1300 bis 1500 Franken für eine 3-Zimmer-Wohnung seien «nicht ganz unvernünftig». Andere Redner wiesen darauf hin, dass ein ökologisch nachhaltiger Neubau geplant sei. Die Denkmalpflege hat die bestehende Siedlung im lokalen Vergleich als «bemerkenswert» eingestuft. Der Eigenwert der Bauten sei aber «durchschnittlich» und lasse einen Abriss zu. (bob)
'Bund' 24.01.2008



